Erziehung

Der 8 oder 9 Wochen alte Welpe kommt in seine neue Familie. Er muß viel lernen, wenn die Zukunft für alle Beteiligten erträglich und vergnüglich werden soll.

Natürlich darf auch der Spaß nicht fehlen. Aus dem süßen Welpen wird rasend schnell ein erwachsener Hund. Noch achtet er auf jeden Schritt, den man tut. Damit dies so bleibt muß der Mensch einiges tun.

 

Das Lernen fängt doch schon mit der Geburt an. Ob bei Mensch oder Tier. Die positiven sowie die negativen Erfahrungen prägen den Hund. Wenn wir also den Hund bis zu einem Jahr machen lassen, was er will, ihm nicht beigebracht wird, wie er sich in unserer Familie oder draußen mit seinen Artgenossen zu verhalten hat, so haben wir bald einen Vierbeiner, der uns auf der Nase herum tanzt.
Während der Sozialisierungsphase lernt ein Welpe, mit Menschen, anderen Hunden und allen Lebenslagen zurechtzukommen.
(Spazierengehen, Auto- und Straßenbahn fahren, ins Cafe gehen, sich bürsten lassen und nicht grob sein usw.).

 

Die Erziehung ihres Welpen beginnt am Tag des Einzugs.
Mit der Stubenreinheit und dem Kennenlernens des Namens. Ihr kleiner Welpe muß nach dem Erwachen, dem Spielen und dem Fressen ins Freie. Beobachten Sie ihn, bald werden Sie schnell die Anzeichen merken, wenn "es nötig ist".
Packen Sie sich Ihren Welpen auf den Arm und tragen ihn hinaus (damit auf dem Weg kein "Unglück" geschieht). Setzen Sie ihn draussen ab und benutzen immer das gleiche Wort ("mach schnell", "mach Pipi", o.ä.), ihr Welpe wird sehr schnell den Zusammenhand ihrer Worte und seiner Tätigkeit begreifen wenn Sie ihn nach verrichtetem Geschäft ausgiebig loben (aber wirklich richtig überschwenglich, er muß wissen, welche große Freude es ihnen bereitet, daß er draußen macht).

In dieser Zeit müssen Sie für ihren Welpen mitdenken, bringen Sie ihn regelmäßig alle 3 Stunden hinaus und verlängern Sie die Abstände langsam. Passiert doch einmal ein Unglück im Haus, wischen Sie es wortlos fort.
Erwischen Sie ihn gerade während es passiert, reicht ein scharfes Pfui, gleichzeitiges Hochnehmen und Hinaustragen (dort wieder "mach schnell" ...). Ein Welpe wird weder mit der Nase durch seine "Missetat" gezogen, noch anschließend "hinausgeworfen" !

Mit seinem Namen sprechen Sie den Welpen häufig an, beschmusen und liebkosen ihn, seinen Namen soll ihr Welpe immer mit etwas Positivem verbinden. So setzen Sie den Namen später vor die jeweiligen Kommandos (Bello Sitz), niemals aber vor "Straf- Befehle" ( Bello Nein, Pfui, etc.)

 

Ein Hund sollte in dieser Zeit Kinder kennen- und liebenlernen. Dann läßt er sich später nicht so leicht von ihnen erschrecken und eventuell zum Schnappen reizen. Auch der Umgang mit anderen Hunden muß gelernt werden - es ist nicht alles angeboren.

Die ersten 14 Lebenswochen sind daher für das ganze Leben eines Hundes entscheiden. Sie sind ausschlaggebend dafür, ob ein erwachsener Hund zuverlässig und kinderfreundlich ist, ob er Menschen mag und sich mit anderen Hunden verträgt, ob er in allen Lebenslagen selbstsicher und entspannt bleibt und nirgends unangenehm auffällt.

Wenn Sie Ihrem Welpen nicht zeigen, was er lernen soll, wird er sich aussuchen, was er lernen will - das deckt sich selten mit Ihren Vorstellungen.

 

Man darf bei der Hundeerziehung nichts dem Zufall überlassen. Von Anfang an sollte dem Vierbeiner richtiges Verhalten beigebracht werden. Was er in seinen ersten Lebensmonaten lernt, wird er nicht vergessen. Er wird geprägt. Die Zeit die man dafür investiert, macht sich ein ganzes Hundeleben lang bezahlt.

 

Die Methoden müssen dem Alter angepaßt werden. Z.B. bei Prägungsspieltagen wird gezeigt, wie der Welpe, mit seinen 8 od. 9 Wochen ohne Streß und Zwang die Grundbefehle üben kann. Er sammelt angenehme Lebenserfahrungen zusammen mit seinem Rudelführer. So kann er sich zu einem selbstsicheren und zuverlässigen Begleiter entwickeln, mit dem man gern sein Leben teilt.

Das prägungsähnliche Lernen der Welpen ist eine Riesenchance, aber auch eine nicht minder große Gefahr : Alles, was der Welpe zwischen der 3. und 12. Lebenswoche (auslaufend bis zur 16. Woche) erfahren und gelernt hat, ist beinahe unauslöschbar in seinem Gedächtnis verankert. Deswegen muß die Grundlage seiner Erziehung zielgerichtet auf seine spätere Verwendung ausgerichtet sein. Ein Umlernen ist sehr aufwendig und häufig unmöglich.

Ein sehr empfehlenswertes Buch ist "Welpen brauchen Prägungsspieltage" von Ute Narewski.
Immer öfter werden Welpentreffs angeboten - nicht überall sollte man hingehen. Die Idee ist vernünftig, das Ziel ist wichtig, schauen Sie sich verschiedene Welpentreffs oder Gruppen an, wenn Sie gemeinsam mit anderen üben wollen ... seien Sie kritisch und entscheiden sich nach ihrem Gefühl.

"Komm!" trainiert man auch vom ersten Tag an. Für mich eines der wichtigsten Kommandos, die der Hund kennen (und prompt befolgen) muß. Ich beginne damit, wenn der Welpe von selbst kommt, weil er mit mir spielen will, weil es Futter gibt oder einfach eine interessante Situation. Bei jedem Herankommen rufe ich NAMEN und "Komm". So verbindet sich der Befehl mit der gerade ausgeführten Tätigkeit, rufen Sie niemals "Komm", wenn die Möglichkeit besteht, daß der Welpe vielleicht doch nicht herankommt. Daraus wird er sonst schnell lernen, daß es relativ egal ist, zu kommen oder auch nicht. Wenn er kommen soll , aber gerade mit viel spannenderen Dingen beschäftigt ist, gehen Sie ruhig zu ihm hin und holen ihn. Angeleint kann er sich dem Befehl "Komm" nicht meht entziehen.

Der älter werdende Junghund läßt sich häufig nicht mehr so einfach holen ...warten Sie nie auf Ihren Hund! Laufen Sie ihm weg! Recht schnell wird er hinter Ihnen herkommen. Machen Sie nicht den Fehler, "Komm!" hinter ihm herzubrüllen, wenn er sich bereits weit entfernt hat, dann wird ihm seine Spur sicher wichtiger sein, als Ihretwegen umzukehren. Warten Sie ... machen dann aber nicht den Fehler, den Hund, der sich einige Zeit später doch wieder zu Ihnen gesellt, für sein Weglaufen zu bestrafen. Er wird die Strafe mit seinem Herankommen verbinden und sich das nächste Mal überlegen, ob er überhaupt wieder zu Ihnen kommt.

Seien SIE das nächste Mal schlauer !

Häufig beobachte ich Menschen, die ihren Hund mit dem Namen rufen ("Bello - Bellooooo"), wie soll der Hund wissen, was Sie meinen ? Das ist sein Name, aber kein Befehl.
Genauso falsch ist es, in einer Situation, wo der Hund etwas nicht richtig gemacht hat, vorwurfsvoll zu sagen "also wirklich, Bello, du sollst das nicht", geben Sie ihre Befehle kurz, prägnant und immer gleich. Hier würde ein Nein, Pfui o.ä. reichen.

 

Hunde brauchen klare Rangordnungsverhältnisse.

In einer Familie muß der Hund immer das niedrigste Rudelmitglied sein. Lassen Sie es von Anfang an nicht zu, daß er entscheidet, was er tut, wo er liegt, wann gespielt wird. SIE sind der Chef. SIE haben das Sagen.

Ich gehöre zu den Menschen, die den Kommandoton hassen, der auf einigen Hunde-Übungsplätzen herrscht. Ihr Hund versteht alle "Kommandos" auch mit normaler Stimmlage. Man muß die Betonung jedoch so wählen, daß der Hund den Sinn der Worte (positiv / negativ) sofort versteht.

Einige Grundregeln der Erziehung :

Nehmen Sie sich genug Zeit. Sie müssen Ihren Hund lieben, Vertrauen zu ihm aufbauen und seine Bedürfnisse kennen und ernst nehmen. Sie brauchen eine gute Selbstbeherrschung. Lob oder Strafe dürfen nur dann erfolgen, wenn sie vom Hund verstanden werden, niemals aus Ihrer Laune heraus. Leckerlis ohne Leistung sind genauso falsch wie Prügel im Zorn! Verprügelt gehört ein Hund sowieso nie, keine Hundemutter prügelt ihre Welpen !

Ich halte auch nichts davon, den Hund mit einer zusammengerollten Zeitung zu strafen. Sie ist nie greifbar, wenn es notwendig wäre. Bis Sie sie geholt haben, kann der Hund die Strafe nicht mehr verstehen, weil die Situation eine andere ist ! Eine weitere Unsitte ist es, den Hund am Nackenfell zu schütteln - dieses Verhalten ist das Totschütteln der Beute bei der Jagd, keine Hundemutter schüttelt jedoch ihr Junges durch ....

Lob und Ignoranz sind einfache, aber wirklich sehr hilfreiche Erziehungsmittel.
Schauen Sie, was ein erwachsener Hund macht, wenn ein Jungspund lästig wird und nervt: er dreht sich weg. Machen Sie es genauso - ignorieren Sie Verhalten, welches Ihnen nicht gefällt und loben Sie, was Ihr Hund richtig macht. Der Fachmann nennt es: positive Verstärkung, ich nenne es: einfache Regeln.

 

Es gibt Situationen, da müssen Sie ihm unmißverständlich zeigen, wer der Stärkere ist.
Häufig nützen hier keine Worte. Ordnen Sie ihn unter, indem Sie ihn blitzschnell auf den Rücken drehen und festhalten und zwar so lange, bis er nicht mehr strampelt, sondern sich völlig "schlaff" ergeben hat. Dabei müssen Sie gar nicht viel sagen, ein strenger Blick oder ein "knurren" reichen völlig aus.
Er muß Sie als Chef anerkennen. Anschließend lassen Sie ihn frei und gehen wieder zur Tagesordnung über. Dieses Unterwerfen darf jedoch nie zur Routine werden, wenden sie es sparsam und gezielt an.

Sie müssen sich in gleichartigen Situationen immer gleich verhalten, damit Ihr Hund Sie nicht als unberechenbar einstuft. Erst dann können Sie einen berechenbaren Hund erwarten! Sie dürfen nicht aufgeben, wenn Ihr Hund etwas nicht sofort begreift.

Das Lernen erfolgt in ganz kleinen Schritten. Sie müssen sich auch über winzige Teilerfolge mit dem Hund freuen können und dürfen die Spielregeln erst dann erweitern, wenn der Hund seine vorige Lektion zuverlässig wiederholbar beherrscht.

Sie müssen fleißig üben, bis ein Befehl zuverlässig funktioniert. Bis der Hund seine Übung wirklich verstanden hat, also in vielen Wiederholungen zu Ihrer gemeinsamen Freude das Richtige getan hat, üben Sie ohne Ablenkung, d. h. ohne daß ihm andere Menschen oder Hunde in die Quere kommen.

Der Hund lernt sein Leben lang - Sie sind nicht irgendwann fertig mit der Ausbildung ... wiederholen Sie alle Übungen regelmäßig, bauen Sie Lektionen in Spaziergänge und Spiel ein. Auch wenn Sie denken, der Hund beherrscht nun die wichtigsten Kommandos, lassen Sie es "schleifen", sind ganz schnell viele Übungen vergessen !